Mit dem Experimental-Lade-Fahrzeug „ELF“ testet Mercedes-Benz die Grenzen des Möglichen beim Laden. Das Projekt vereint Fahrzeug-Innovationen mit infrastrukturellen Konzepten.
Das Thema Batterie und Laden beim Elektroauto bringt bei manchen weiterhin Zweifel auf, weshalb Mercedes-Benz weiter an innovativen Ladelösungen arbeitet. Nachdem Mercedes im Jahr 2019 MB.Charge Public oder 2021 die Plug & Charge-Funktion als einer der ersten Elektrofahrzeughersteller auf den Markt brachte, versucht das Unternehmen nun mit dem ELF an die Grenzen zu gehen und testet die folgenden Lade-Technologien bis an ihre Grenzen:
- Duales Schnellladen mit MCS (Megawatt Charging System) und CCS (Combined Charging System)
- Bidirektionales Laden mit AC und DC
- Induktives und Konduktives Laden
- Automatisiertes Laden
Experimental-Lade-Fahrzeug "ELF"
Mercedes-Benz bezeichnet das Testfahrzeug auf Basis der V-Klasse als „rollendes Ladelabor“, welches das ultraschnelle, bidirektionale, solares, induktives und konduktives Laden vereint. Nicht nur im Inneren, sondern auch an Ladesäulen werden mit dem ELF die Grenzen des Machbaren ausgetestet, um das künftige Laden und das Ladeökosystem zu verbessern.
„Das ELF ist mehr als ein Fahrzeug – es ist ein Symbol für den Aufbruch in eine neue Ära des Ladens. Mit dem Experimental-Lade-Fahrzeug zeigt Mercedes‑Benz was entsteht, wenn visionäre Technologie, mutige Ideen und leidenschaftliche Teamarbeit aufeinandertreffen.“
Mercedes-Benz, Pressemitteilung
Ultraschnellladen
Laut Mercedes ist das Schnellladen der Schlüssel für die Alltagstauglichkeit der Elektromobilität und zur Erforschung der Grenzen ist das ELF mit zwei Schnellladesystemen ausgestattet. Ein ursprünglich für LKWs entwickelter MCS-Stecker erlaubt Ladeleistungen im Megawattbereich (1.000 kW) und ein CCS-Stecker kommt zum Einsatz, um seriennahe Komponenten wie Kabel, Kühlung im Alltag zu erproben.
Durch die Kombination beider Ladesysteme verfolgt Mercedes-Benz den Ansatz, aktuell bestehende Systeme zu verbessern und zudem neue Möglichkeiten zu erforschen – mit einem Fahrzeug. Dabei fließen die bereits vom CONCEPT AMG GT XX gewonnenen Erkenntnisse ein, wobei innerhalb von 5 Minuten bis zu 400 Kilometer Reichweite (WLTP) nachgeladen werden können. Dafür hatte Mercedes in Zusammenarbeit mit Alpitronic eine Hochleistungs-Ladesäule entwickelt, welche Ladeströme über ein CCS-Kabel von bis zu 1.000 Ampere übertragen kann. Die Entwicklung einer neuen Generation von High-Performance-Schnellladern soll künftig an Mercedes‑Benz Ladeparks zum Einsatz kommen.
Bidirektionales Laden
Die V2X-Technologie ist ein weiterer Punkt, an dem Mercedes-Benz forscht, um Elektroautos vollständig in das Stromnetz zu integrieren und das ELF ist sowohl AC- als auch DC-bidirektional ladefähig. Das bidirektionale AC-Laden ermöglicht das Laden externer Geräte (V2L), Rückspeisung ins Hausnetz (V2H), die Versorgung von Gebäuden (V2B) sowie die Rückspeisung in das öffentliche Stromnetz (V2G). Über das bidirektionale DC-Laden kann Energie direkt mit höherer Effizienz in das öffentliche Stromnetz (V2G) oder Heimnetz (V2H) eingespeist werden, insbesondere wenn ein Hybrid-Wechselrichter gemeinsam für bidirektionales Laden eingesetzt wird und die ersten Vorbereitungen für den CCS-Standard sind im Gange.
Auch beim bidirektionalen Laden fließt die bisherige Erfahrung ein, denn der neue Mercedes CLA sowie der kommende GLC mit EQ-Technologie sind technisch für das bidirektionale DC-Laden vorbereitet und erste Services für das bidirektionale Laden sollen bereits im Laufe des Jahres 2026 in Deutschland, Großbritannien und Frankreich starten. MB.CHARGE Home kombiniert dabei Fahrzeug, bidirektionale Wallbox, Ökostromtarif und Energiemarktzugang mit dem Ziel, die Stromkosten für Verbraucher zu senken und das öffentliche Stromnetz zu entlasten.
„Elektrofahrzeuge spielen eine zentrale Rolle für die Energiewende, nicht nur als lokal CO₂-emissionsfreie Fortbewegungsmittel, sondern auch als mobiler Speicher für erneuerbare Energie. Durch bidirektionales Laden (Vehicle-to-Grid, V2G) können sie überschüssige Energie aus Wind- und Solaranlagen aufnehmen und bei Bedarf wieder ins Stromnetz einspeisen. Das eröffnet neue Möglichkeiten für Netzstabilität und Versorgungssicherheit sowie eine bessere Nutzung erneuerbarer Energiequellen.“
Mercedes-Benz, Pressemitteilung
Induktives und konduktives Laden
Das kabellose Laden von Elektroautos ist auch bei Mercedes-Benz ein Thema und ein weiteres Forschungsprojekt mit dem ELF. Das kontaktlose Ladesystem würde in Zukunft für noch mehr Komfort beim Laden sorgen. Das ELF ist mit einem induktiven Ladesystem ausgestattet, worüber derzeit eine AC-Ladeleistung von 11 kW möglich ist. Mit dem Fokus auf Nutzerfreundlichkeit und internationalen Skalierbarkeit wird die Technologie auf Alltagstauglichkeit, Kompatibilität sowie Effizienz für verschiedene Bereiche wie Premiumfahrzeuge, Robotaxis oder Fahrzeugflotten getestet.
Das konduktive Laden bietet wie beim induktiven Laden den Vorteil, dass man ohne Kabel laden kann und es sogar effizienter ist. Dies wird ebenfalls vom Mercedes ELF getestet, wobei spezielle Ladeplatten im Boden mit dem Fahrzeug kommunizieren, um eine korrekte Parkposition zu erreichen und das kabellose Laden zu starten. Die Energieübertragung erfolgt durch eine direkte physische Verbindung über einen sogenannten Connector im Fahrzeugboden und auch hier liegt die Ladeleistung derzeit bei 11 kW.
Automatisiertes Laden
Neben der Steigerung der Ladeleistung ist auch der automatische Ladevorgang per Robotik im Fokus. Dabei wird ein Fahrzeug automatisch mit dem Ladesystem verbunden, was sich besonders beim Schnellladen über große Kabelquerschnitte eignet. Laut Mercedes sei dies ein entscheidender Schritt, besonders für Flotten, barrierefreie Konzepte sowie Premium-Fahrzeuge.




















