
Die wohl größte Angst, die Käufer und Interessenten von E-Autos haben, ist wohl die Lebensdauer der Batterie im Elektroauto und die damit verbundene Reichweite.
Viele Menschen sträuben sich vor dem Kauf eines Elektroautos, weil sie denken, dass die enthaltene Batterie nach kurzer Zeit an Leistung verliert und man kaum noch „von A bis B kommt“. Woher diese Zweifel kommen und warum sie teilweise unberechtigt sind, klären wir hier auf und geben Tipps zur Verlängerung der Batterie-Lebensdauer.
Angst vor der Batterie-Lebensdauer im E-Auto
Das schlechte Image der Elektroauto-Batterie wurde durch falsche Informationen in diversen Foren, persönlichen Meinungen und schlichtweg durch Unwissenheit erschaffen. Es gibt auch mittlerweile zahlreiche Studien, wodurch bewiesen wird, dass die Batterie im Elektroauto länger hält und eine Batterie-Alterung beziehungsweise -Degradation langsamer erfolgt, als man anfangs angenommen hätte.
Degradation der Batterie
Dass sich nach einer gewissen Zeit die Leistung der Batterie verschlechtert, ist Tatsache und lässt sich nicht schönreden, allerdings heißt das nicht, dass man mit einer Batterie mit beispielsweise einem SoH-Wert (State of Health) von 90% nicht mehr das Elektroauto bewegen kann, was viele denken.
Die Batterie-Degradation ist abhängig von Faktoren wie Temperatur, Ladezyklen, Entladetiefe, Ladegeschwindigkeit oder Batterie-Alter und schreitet nur langsam voran. So wurde beispielsweise bei einer Studie in Australien festgestellt, dass bei Testfahrzeugen nach einer Laufleistung von über 120.000 km noch eine maximale Batterie-Kapazität von mehr als 90% gegeben war. Dies ist ein Kapazitäts-Verlust von unter 1% pro 10.000 km.
„Fortschritte in der Elektrofahrzeugtechnologie haben batteriebetriebene Autos jedoch nicht nur erschwinglicher, sondern auch langlebiger gemacht. Und neue Forschungsergebnisse zum Thema Batterieverschleiß können nun auch dazu beitragen, den Wertverlust von Elektrofahrzeugen zu verringern.“
carexpert.com.au
Vergleich von NMC- und LFP-Batterien
Die Batterie-Degradation ist auch abhängig vom Batterietyp. Bei NMC-Batterien (Nickel-Mangan-Kobalt), die eine höhere Energiedichte haben, ist die Degradation minimal höher als bei LFP-Batterien (Lithium-Eisen-Phosphat), allerdings bleibt in beiden Fällen durchschnittlich eine Batterie-Kapazität (SoH) von über 80% nach einer Laufleistung von 300.000 Kilometern.
Lange Batterie-Garantie
Die meisten Hersteller geben auf die Batterie eine Garantie von 8 Jahren oder eine Fahrleistung von 160.000 Kilometer. Einige Hersteller bieten sogar eine Batteriegarantie bis zu 200.000 Kilometer oder sogar im Falle des Lexus UX 300e bis eine Million Kilometer, die, wenn wir mal ehrlich sind, man auch erst einmal erreichen muss. Verschlechtert sich der Batteriezustand innerhalb dieser Zeit und liegt unter 70% (Herstellerabhängig), erfolgt eine kostenlose Reparatur. Der chinesische Hersteller BYD gibt für seine Blade-LFP-Batterie eine Lebensdauer von über 3.000 Ladezyklen an, was um die 1,2 Millionen Kilometer an Fahrleistung wären.
Quelle: BYD
Für den Fall, dass nach der Garantie eine Reparatur an der Batterie vorgenommen werden muss, können Kunden auch einzelne Zellen der Batterie tauschen lassen, sodass keine hohen Kosten auf sie zu kommen, wie es beim Austausch der gesamten Batterieeinheit im Elektroauto wäre.
Tipps zur Pflege der Batterie im E-Auto
Die größte Ursache für den Leistungsverlust der Batterie im Elektroauto sind die Ladezyklen und die Art und Weise der Nutzung. Häufiges und auch schnelles Laden und Entladen führt zu einer schnelleren Alterung der Batterie, allerdings kann man dies, ähnlich wie bei anderen technischen Geräten, verlangsamen:
Lange Standzeit bei voller Ladung
Wird das Elektroauto nicht täglich, sondern nur gelegentlich genutzt, sollte die Batterie nicht vollständig aufgeladen sein. Durch chemische Veränderungen wird die Batterie-Alterung bei voller Ladung beschleunigt, weshalb es sich empfiehlt, die Ladung bei um die 50% zu halten, wenn das E-Auto des Öfteren länger steht.
Temperaturen beachten
Eine dauerhafte hohe Temperatur beschleunigt das Altern beziehungsweise die Degradation der Batterie. Dies bedeutet nicht, dass man das Elektroauto nicht in der Sonne parken darf, allerdings kann man darauf achten, dass extreme Hitze vermieden wird. Bei Kälte hingegen ist die Degradation zwar geringer, allerdings ist die Leistungsfähigkeit reduziert, bis die Batterie wieder eine normale Temperatur erreicht. Auch ist das Aufladen bei Temperaturen unter 0°C nicht förderlich, weshalb die Batterie meist vor dem Laden vom Batteriemanagement (BMS) vorgeheizt wird.
Batterie nicht vollständig entleeren
Jeder Hersteller empfiehlt, den Akku beziehungsweise die Batterie nicht restlos zu entleeren. Zwar kann man, anders als beim Smartphone oder Tablet, das Elektroauto nicht immer und überall laden, allerdings kann man darauf achten, dass man einen Ladestopp vorzieht, um zu verhindern, dass beispielsweise ein Wert von um die 20% Restladung unterschritten wird, denn eine Batterie fühlt sich zwischen 20 und 80% am wohlsten und Extreme von 0 oder 100% sollten vermieden werden.
Batterieladung auf 80% begrenzen
Zwar ist es nicht immer möglich, beispielsweise wenn man mit dem Elektroauto in den Urlaub fahren möchte, allerdings kann man darauf achten, die Batterie im E-Auto nur bis 80% zu laden, denn ab einem Wert von um die 80% steigt die Batterie-Temperatur beim Aufladen an, was sich negativ auf die Zellchemie auswirkt und die Degradation schneller vorantreibt. Durch die Ladung der Batterie auf 100% werden die Zellen unter höherer Spannung gesetzt, wodurch die chemische Alterung schneller einsetzt, wenn das Fahrzeug dann länger steht. Eine Ladung auf 100% stellt beispielsweise auf der Autobahn wiederum keine größere Problematik dar, da das Fahrzeug bei der Weiterfahrt auch wieder entladen wird.
Häufiges Schnellladen vermeiden
Auch wenn dieser Punkt zu Diskussionen führen kann und es natürlich nicht immer möglich ist, das Elektroauto nur mit Wechselstrom (AC) zu laden, sollte einem bewusst sein, dass das schnellere DC-Laden auch einen Nachteil hat. Natürlich wird das Elektroauto innerhalb von kürzester Zeit nachgeladen, allerdings wird die Batterie beim Laden über Gleichstrom (DC) auch deutlich wärmer und die Alterung der Zellen schreitet schneller voran, wenn man ständig an einer DC-Ladesäule lädt.
Fahrweise beachten
Wie bei der Nutzung von mobilen Geräten kommt es beim Elektroauto auch auf die Fahrweise an. So kann, wenn man beispielsweise „immer nur Vollgas“ fährt, auch das schnellere Entladen der Batterie zur Alterung der Zellen führen. Durch schnelles Fahren und eine Beschleunigung bei höchstmöglichen Drehmoment erreicht die Batterie auch eine höhere Temperatur und logischerweise, entstehen mehr Ladezyklen.
Fazit
Sieht man die Alterung der Batterie im Elektroauto etwas kritisch, gibt es genügend Maßnahmen, die man selber ergreifen kann, um die Batterie-Lebensdauer zu verlängern. Da auch den Herstellern die Angst der Kunden vor einem Ausfall der Batterie bewusst ist, geben diese eine lange Garantiezeit und auch Studien belegen, dass die Batterie im Elektroauto langsamer altert, als man denken würde.


